Nachhaltig Leben von den Großeltern gelernt


Neulich stand ich in meiner Küche, mit Mehl an den Händen und dem leisen Gefühl, dass ich gerade etwas „Altes“ tue. Ich habe Brot gebacken - irisches Sodabrot nach meinem Lieblingsrezept. 
Nicht, weil es gerade Trend ist. Nicht, weil ich plötzlich zur perfekten Selbstversorgerin geworden bin.
Sondern, weil es sich… richtig angefühlt hat. Es hat mein Nervensystem beruhigt und genau in diesem Moment musste ich an meine Großeltern denken. 
Denn ganz ehrlich? Nachhaltigkeit haben sie gelebt, lange bevor wir ein Wort dafür hatten.

Meine Großeltern hatten keinen „Zero-Waste-Guide“. Keine Apps. Keine Challenges.
Aber sie hatten etwas viel Wertvolleres: Ein Gefühl für Maß. Für Wert. Für das, was wirklich gebraucht wird. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr merke ich: Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Wir dürfen uns einfach erinnern und im besten Fall die Generationen vor uns und vor unseren Eltern nach ihren Tipps und Tricks fragen.

Bau an, was du kannst – auch im Kleinen

Früher: großer Garten, Kartoffeln, Bohnen, Kräuter.
Heute: vielleicht nur ein Balkon.
Aber weißt du was? Das reicht. Ein kleines Hochbeet. Ein paar Kräuter auf der Fensterbank.
Tomaten, die langsam wachsen und nach Sommer schmecken. Irgendwas, was man mit seinen eigenen Hängen angebaut hat - ja, auch wenn man wie ich einen "schwarzen Daumen" hat. Für Kräuter reicht es meist. Die Italiener meinen, man hat mehr Bewusstsein für sein Essen, wenn man wenigstens einen Teil selbst anbaut.
Die Frage ist nicht: Wie viel Platz hast du? Sondern: Was möchtest du daraus machen? Es ist Januar uns für mich wird es in diesem Jahr einen neuen Anlauf mit dem Hochbeet geben. Irgendwie freu ich mich auf die Planung. 

Mach dein Essen selbst – es ist mehr als nur Kochen

Brot backen. Nudeln selbst machen. Klingt nach Aufwand – ist aber eigentlich ein Geschenk.
Ein Geschenk an dich selbst. Weil du weißt, was drin ist, dir Zeit nimmst und etwas erschaffst. statt nur zu konsumieren. Und plötzlich wird aus „Essen machen“ ein kleines Ritual, das unser Nervensystem beruhigen kann, wie bei mir beim Sodabrot backen.

Nimm das Fahrrad. 

Meine Großeltern sind nicht „der Umwelt zuliebe“ Fahrrad gefahren. Sie sind gefahren, weil es normal war. Und vielleicht ist genau das der Punkt: Nachhaltigkeit muss nicht kompliziert sein. Sie darf einfach Alltag werden. Ein Weg weniger mit dem Auto =ein Moment mehr frische Luft = ein klarerer Kopf.

Weniger besitzen. Mehr leben.

Das ist wahrscheinlich die größte Lektion. Meine Großeltern hatten nicht viel, aber sie hatten genug. 
Und sie haben gesucht? Selten - weil sie wussten, wo alles ist. Weniger Dinge bedeuten weniger Chaos.
Und weniger Chaos bedeutet mehr Zeit und vielleicht auch: mehr Ruhe im Kopf. So sagen das auch die ganzen Organizer, die uns Minimalismus näher bringen wollen. 

Reparieren statt ersetzen

Ein Loch im Pullover? Früher: Nadel, Faden, fertig.
Heute: Neu kaufen.
Aber wie wäre es, wenn wir wieder lernen:
  • zu nähen
  • auszubessern
  • Dinge wertzuschätzen, statt sie zu ersetzen
Es ist nicht nur nachhaltiger, es ist auch… irgendwie beruhigend. Hab letzten Knöpfe wieder angenäht mit dem Kreuzstich. Toll!

Bring dein eigenes Essen mit 

Meine Großeltern hätten nie verstanden, warum man jeden Tag unterwegs etwas kauft, was man auch selbst machen kann. Und ganz ehrlich: Ein selbstgemachtes Essen zur Arbeit mitzunehmen ist nicht nur nachhaltiger – es ist oft auch besser und günstiger. Und für mich auf meiner Health Journey eh gut und ganz ehrlich. Mein Opa hat jahrelang Brote und Gemüse mit zur Arbeit genommen und das war ok - warum muss es jetzt immer irgendeine vegane, proteinreiche bunte Regenbogenbowl oder so was sein. Das gute alte Käsebrot - ich liebe das gute alte Käsebrot und verfeinere es mit Feigensenf und feier mich dafür! Jawohl.

Teilen verbindet 

Früher war es normal: Man hat geteilt. Lebensmittel, Werkzeuge, Zeit. 
Heute nennen wir das „Netzwerke“.
Aber im Kern ist es das Gleiche: Wenn wir teilen, entsteht Gemeinschaft. Und plötzlich ist man nicht mehr allein mit seinen Herausforderungen. 

Zeit bewusst nutzen – analog ist manchmal nachhaltiger

Briefe schreiben. Bücher lesen. - Klingt altmodisch? Vielleicht, aber auch unglaublich wertvoll. Nicht jede freie Minute muss digital gefüllt werden. 
Manchmal ist Nachhaltigkeit auch das: bewusster Umgang mit deiner Zeit und deinem Kopf

Nachhaltigkeit ist nichts Neues – nur vergessen

Meine Großeltern hätten sich wahrscheinlich gewundert, dass wir heute Kurse besuchen, Bücher lesen und Apps nutzen, um „nachhaltiger zu leben“. Für sie war das kein Konzept. Es war einfach Leben. Und vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis: Wir müssen nicht perfekt nachhaltig sein, wir können auch einfach wieder ein bisschen bewusster leben - so wie früher.

Bildrechte: Foto von Andrew Robulack auf Unsplash
      

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