Mein Leben im August 2026: weniger Zeug, weniger Gewicht, mehr Leben
Es gibt diese Phasen im Leben, in denen eigentlich gar nichts Spektakuläres passiert – und sich trotzdem erstaunlich viel verändert.
Der August 2026 fühlt sich für mich genau danach an. Vielleicht liegt es am Sommer. Vielleicht daran, dass ich inzwischen an einem Punkt in meinem Leben angekommen bin, an dem ich ziemlich gut weiß, was ich mag – und gleichzeitig immer deutlicher merke, was ich nicht mehr brauche. Und damit meine ich nicht nur die Dinge, die gerade in Kisten, Tüten und Stapeln meine Wohnung verlassen.
Ich miste aus. - Ziemlich konsequent sogar.
Irgendwann stellt man fest, wie absurd viele Dinge man besitzt.
Kleidung, die man „bestimmt irgendwann wieder“ trägt. Bücher, die seit Jahren darauf warten, gelesen zu werden. Dinge, deren Existenz man komplett vergessen hatte, bis man sie plötzlich hinten in einem Schrank findet. Dinge, die man geschenkt bekommen hat, die man vielleicht aber gar nicht mag und sie nur aus sentimentaler Schuld behält -> "Man kann doch Geschenke nicht weggeben".
Und dann natürlich die berühmte Kategorie: „Das kann man bestimmt noch mal gebrauchen.“
Spoiler Alert: Nein, man braucht es nicht noch mal.
Ich möchte weniger besitzen. Nicht, weil ich plötzlich Minimalistin geworden bin. Dafür liebe ich schöne Dinge viel zu sehr. Ich möchte auch weiterhin Bücher kaufen, obwohl noch ungelesene Bücher im Regal stehen. Ich möchte Blumen auf dem Tisch haben, hübsches Geschirr besitzen und Dinge mit nach Hause bringen, die objektiv betrachtet keinerlei lebensnotwendige Funktion erfüllen. Eine Minimalistin wird aus mir vermutlich nicht mehr. Aber bewusster möchte ich werden. Ich möchte Dinge besitzen, weil ich sie mag, benutze oder weil sie mir Freude machen – und nicht einfach deshalb, weil sie irgendwann einmal ihren Weg in mein Leben gefunden haben.
Interessanterweise passiert beim Ausmisten aber noch etwas anderes. Je mehr Dinge verschwinden, desto häufiger frage ich mich auch bei anderen Dingen:
Brauche ich das eigentlich noch? Diese Gewohnheit? Diese Verpflichtung? Diesen Anspruch an mich selbst?
Vielleicht ist Ausmisten manchmal weniger eine Frage von Schränken als von Lebensgestaltung.
Und dann gibt es noch etwas, von dem ich tatsächlich gerne weniger hätte: Gewicht.
Ich bin auf einer Abnehmjourney. Allein dieses Wort klingt inzwischen fast danach, als müsste ich dabei Sonnenaufgänge fotografieren, täglich 10.000 Schritte gehen und irgendwann dramatisch eine alte Jeans in die Kamera halten. So sieht es bei mir nicht aus. Ich versuche gerade vor allem, Dinge anders zu machen. Bewusster zu essen. Mich mehr zu bewegen. Gewohnheiten zu hinterfragen. Herauszufinden, was funktioniert – und was in meinem tatsächlichen Leben eben nicht funktioniert. Wie ich meinen Weg gesund gehen kann - physisch und mental. Und vor allem versuche ich, einen Fehler nicht mehr zu machen:
Mein Leben auf später zu verschieben. Nicht erst schöne Kleidung tragen, wenn irgendeine Zahl auf der Waage erreicht ist. Nicht erst reisen, wenn ich fitter bin. Nicht erst fotografiert werden, wenn ich anders aussehe. Nicht denken: „Wenn ich abgenommen habe, dann …“ Nein: Das Leben findet jetzt statt. Ich möchte Gewicht verlieren. Aber ich möchte dabei nicht Monate oder Jahre meines Lebens verlieren.
Noch etwas nimmt gerade überraschend viel Raum in meinem Leben ein: Lernen.
Nach 20 Jahren im Berufsleben könnte man theoretisch irgendwann beschließen, dass man genug weiß. Das Gegenteil ist bei mir der Fall. Ich bilde mich gerade intensiv weiter und merke dabei wieder, wie sehr ich es liebe, mich in neue Themen hineinzudenken. Vielleicht verändert sich Lernen mit dem Alter. Früher ging es häufig darum, etwas wissen zu müssen. Heute lerne ich viel häufiger, weil ich etwas wissen will. Das ist ein ziemlich großer Unterschied. Berufserfahrung ist großartig. Nach 20 Jahren im Admin Bereich gibt es viele Situationen, die mich nicht mehr besonders schnell aus der Ruhe bringen. Aber Erfahrung darf nicht dazu führen, dass man irgendwann aufhört, neugierig zu sein. Ich möchte weiterhin Dinge entdecken, bei denen ich denke:
Ach, SO funktioniert das. Oder: Darüber habe ich noch nie nachgedacht.
Vielleicht ist genau das eine der Eigenschaften, die ich mir unbedingt erhalten möchte: Anfängerin sein zu können.
Mehr Bücher. Offensichtlich.
Manche Dinge ändern sich allerdings überhaupt nicht: Ich lese. Viel. Je nach Jahr landen irgendwo zwischen 70 und 120 Büchern auf meiner Leseliste. Und trotzdem passiert regelmäßig Folgendes:
Ich betrete eine Buchhandlung. Ich sehe ein Buch. Ich denke: „Oh! Das klingt interessant.“ Ich kaufe es. Zu Hause warten bereits ungefähr 37 andere Bücher mit exakt demselben Schicksal. Das gehört offenbar zu den Bereichen meines Lebens, in denen meine neu entdeckte Begeisterung fürs Ausmisten deutliche Grenzen hat. Aber Bücher sind für mich eben mehr als Beschäftigung. Sie sind Reisen, ohne irgendwohin fahren zu müssen. Andere Leben. Andere Gedanken. Manchmal Eskapismus. Manchmal Bildung. Manchmal einfach 400 Seiten hervorragend unterhaltsamer Unsinn. Und beides darf sein.
Dasselbe gilt für Filme und Serien. Für Theater. Ballett. Ausstellungen. Museen. Reisen. Restaurants. Essen. Ich liebe Geschichten – offensichtlich in fast jeder Form.
Ich möchte in den nächsten Monaten wieder bewusster festhalten, was ich gesehen, gelesen und erlebt habe. Nicht, um aus jedem Restaurantbesuch „Content“ machen zu müssen, sondern weil ich merke, wie schnell selbst schöne Erlebnisse im Alltag verschwinden. Man geht ins Theater, ist begeistert, erzählt zwei Menschen davon – und drei Monate später kann man sich kaum noch daran erinnern. Vielleicht ist dieser Blog deshalb auch ein bisschen mein externes Gedächtnis.
Und dann wären da noch die kleinen schönen Dinge: Ich habe beschlossen, eine Seite von mir nicht mehr kleinzureden, nur weil sie ein bisschen frivol erscheint. Ich liebe schöne Alltagsmomente: Ein richtig gutes Frühstück am Wochenende. Blumen auf dem Tisch. Ein Essen, für das man den Tisch deckt, obwohl niemand zu Besuch kommt. Den ersten Herbsttag, an dem man völlig übertrieben Kerzen anzündet. Halloween. Weihnachten sowieso - Ich habe eine ausgesprochen ausgeprägte Holiday-Housewife-Seite und ich stehe inzwischen dazu. Wenn ich Ende November meine Wohnung in eine kleine Weihnachtswelt verwandeln möchte, während im Hintergrund irgendein vollkommen vorhersehbarer Weihnachtsfilm läuft und etwas mit Zimt im Ofen steht, dann ist das eben so.Das Leben besteht schließlich nicht ausschließlich aus Selbstoptimierung.
Mehr Leben
Vielleicht ist das deshalb die eigentliche Überschrift für diese Phase.
Nicht das Abnehmen - Nicht das Ausmisten - Nicht die Weiterbildung - Sondern: mehr Leben.
Ich möchte weniger Dinge besitzen, die ich nicht brauche. Weniger Gewicht mit mir herumtragen. Weniger Zeit mit Dingen verbringen, die mir eigentlich gar nicht wichtig sind, aber gleichzeitig möchte ich mehr: Mehr lesen, mehr lernen, mehr reisen, mehr Kultur erleben, mehr gutes Essen genießen, mehr neugierig sein, mehr Dinge ausprobieren, mehr Menschen treffen, mehr schöne Sonntage haben, mehr Erinnerungen sammeln als Gegenstände. Und vielleicht auch ein bisschen weniger darauf warten, dass irgendwann der perfekte Zeitpunkt dafür kommt. Der perfekte Zeitpunkt ist vermutlich sowieso ein ziemlich hartnäckiger Irrglauben, also fange ich einfach jetzt an. Es ist August 2026. Mal sehen, was passiert.




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