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Helmut Newton. Polaroids – Ein Spaziergang durch Newtons kreatives Skizzenbuch

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Gestern hat es mich ins Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung in München verschlagen und dieser Besuch fühlt sich an, wie das Blättern in einem privaten Fotoalbum – bloß spannender, überraschender und viel ästhetischer. Bis 22. Februar 2026 ist dort die Ausstellung "Helmut Newton. Polaroids" zu sehen, und obwohl es nur zwei Räume sind, steckt in ihnen eine beeindruckende Menge fotografischer Kreativität und Geschichte.  Man kennt Helmut Newton vor allem für seine ikonischen Mode- und Aktaufnahmen – groß, inszeniert, perfekt komponiert.In dieser Ausstellung zeigt sich eine Seite, die oft im Verborgenen bleibt: Newtons spontane und experimentelle Arbeitsweise. Die Sofortbilder – mehr als 100 Polaroids – erzählen von einem Fotografen, der nicht nur das „fertige Bild“ suchte, sondern den Weg dorthin.  An einer Wand gibt es zudem eine sehr schöne technische Gegenüberstellung im Sinne von „Vom Polaroid zum Bild“ – und plötzlich wird klar, was Newton hier trieb. Die Pola...

Rezension: "Play! – Das Handbuch für YouTuber" von Christine Henning, Hendrik Unger & Anne Unger

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YouTube boomt – und mit ihm der Traum vom eigenen Kanal, von Reichweite, Einfluss oder sogar dem großen Durchbruch. Mit "Play! – Das Handbuch für YouTuber" liefern Christine Henning, Hendrik Unger und Anne Unger ein praxisorientiertes Buch, das genau dort ansetzt: beim Einstieg in die Welt des Content-Creation-Universums. Das Buch versteht sich als Rundum-Einstiegshilfe für alle, die ihren eigenen YouTube-Kanal aufbauen oder professionalisieren möchten. Und das gelingt ihm größtenteils auch gut. Von der ersten Idee über die Planung und Produktion von Videos, Kanaldesign, Community-Aufbau bis hin zu Fragen rund ums Geldverdienen und rechtliche Stolperfallen – "Play!" deckt alle wichtigen Basics ab. Was mir besonders gefallen hat: Das Buch vergisst auch nicht die oft übersehenen Themen wie Impressumspflicht, Urheberrecht oder den Umgang mit der eigenen Community. Gerade Letzteres bekommt erfreulich viel Raum und zeigt, dass es beim YouTube-Erfolg nicht nur um Algorith...

Rezension: "Die Tote in der Bibliothek – Ein Fall für Miss Marple" von Agatha Christie

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Manche Krimis altern einfach nicht. "Die Tote in der Bibliothek" ist so ein Fall. Auch wenn der Titel für mich zunächst etwas irreführend war, hat mich dieser zweite Band der Miss‑Marple‑Reihe schnell in seinen Bann gezogen – nicht zuletzt, weil Jane Marple hier endlich wirklich als Protagonistin auftreten darf. Der Tag beginnt harmlos – und endet mit einer Leiche. In der Bibliothek von Colonel und Mrs. Bantry wird am Morgen der leblose Körper einer jungen Frau gefunden. Niemand kennt sie, niemand weiß, wie sie dorthin kam. Schnell steht fest: Das Opfer wurde ermordet. Während die Polizei ermittelt, wird Miss Jane Marple hinzugezogen – eine unscheinbare ältere Dame mit messerscharfem Verstand und einem untrüglichen Gespür für menschliche Abgründe. Was folgt, ist ein klassischer Christie-Fall: falsche Fährten, gesellschaftliche Fassaden, kleine Lügen und große Geheimnisse. Und mittendrin Miss Marple, die scheinbar beiläufig zuhört, beobachtet und kombiniert – und dabei mehr er...

Rezension: "Zeit statt Zeug – Der achtsame Adventskalender 2023" von Birgit Fazis

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Manchmal sind es nicht die Geschenke, sondern die Gedanken, die zählen. Und genau darum geht es in Zeit statt Zeug von Birgit Fazis – einem achtsamen Adventskalender, der kleine, feine Impulse schenkt, um die dunkle Jahreszeit etwas heller zu machen. Auch wenn ich das Buch aus dem Jahr 2023 erst im Dezember 2025 gelesen habe – und nicht als klassischen Adventskalender –, hat es mich auf seine ganz eigene Weise begleitet. Und vielleicht war das genau der richtige Zeitpunkt dafür. Das Buch ist wie ein stiller Begleiter durch den Advent. Statt Türchen mit Schokolade oder Konsumvorschlägen zu öffnen, öffnet man hier Gedankenräume. Birgit Fazis lädt mit 24 kurzen Texten und liebevollen Anregungen dazu ein, innezuhalten, durchzuatmen, kleine Rituale wiederzuentdecken – oder ganz neu zu schaffen. Es geht um Stille, Licht, Verbundenheit, Dankbarkeit und bewusstes Erleben. Und um die Erinnerung daran, dass der Advent ursprünglich einmal ein Rückzugsort war – nicht der Startschuss für Geschenkew...

Mein kleines Projekt in 2026

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  Ich habe mir eine kleine Herausforderung gestellt für dieses Jahr. Jede Woche des Jahres werde ich mindestens eine - manchmal sogar zwei Postkarten an Menschen aus meinem Adressbuch schicken.  Vollkommen ohne Plan, an wen wann welche Karte geht.  Einfach spontan. Manche werden mehr Karten bekommen, manche vielleicht keine. Ein Zufallsgenerator wird mir eine Nummer geben und an die Person geht die Karte. Warum mache ich das? Weil ich will, dass Menschen auch mal was in ihrem Briefkasten haben, über das sie sich freuen können. Aktuell ist es ja bei den meisten mehr ein Mix aus Rechnungen und Werbesendungen.  Dagegen mach ich 2026 was.  Juchhu! Foto von Nick Fewings auf Unsplash

Wenn die Listen verschwinden – 2025, ein Jahr im gefühlten Chaos

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       Ich war mal gut organisiert. Nicht perfekt, nicht pedantisch – aber strukturiert. Jahresübersichten, Checklisten, kleine Kontrollpunkte. Dinge, an denen ich mich festhalten konnte, wenn das Jahr schneller wurde als gedacht. Dinge, die mir halfen, Entscheidungen nicht nur zu fühlen, sondern auch zu prüfen. Und dann kam 2025. Und mit diesem Jahr: nichts davon. Die Listen, die ich anlegen wollte, blieben Ideen und Wünsche. 2025: Das Jahr ohne Netz und doppelten Boden Ich weiß nicht einmal genau, wann es passiert ist. Es gab keinen bewussten Entschluss à la „Dieses Jahr mache ich alles anders“. Die Listen sind einfach… nicht entstanden. Keine Jahresplanung. Keine monatlichen Übersichten. Kein klarer Rahmen. Anfangs fühlte sich das sogar gut an. Frei. Ungebunden. Spontan. Aber Freiheit ohne Orientierung ist irgendwann nur noch eines: anstrengend. Je weiter das Jahr voranschritt, desto häufiger hatte ich dieses diffuse Gefühl, beschäftigt zu sein, ohne wirklich gezi...

Jólabókaflóð – Die magische Bücherflut Islands zu Weihnachten

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  Stellt euch vor: Es ist tiefster Winter in Island, der Wind heult um die Häuser, der Schnee deckt die Landschaft wie eine dicke Decke zu, und drinnen im Warmen rascheln die Seiten von Büchern. Genau das ist die Magie von Jólabókaflóð, der isländischen „Weihnachtsbücherflut“, die mein Herz einfach höher schlagen lässt. Und ich wette, eures gleich auch! Was ist Jólabókaflóð? Der Begriff Jólabókaflóð (spricht man ungefähr so: „Jola-boka-floth“) klingt nicht nur spannend, sondern ist auch eine der schönsten Traditionen, die ich kenne. Es ist der Brauch, sich zu Weihnachten Bücher zu schenken – und zwar in ganz Island! Ja, wirklich, die ganze Nation ist verrückt nach Geschichten, und das besonders in der Weihnachtszeit. Der Höhepunkt ist der 24. Dezember, an dem man sich gegenseitig mit Büchern beschenkt, um den Abend damit zu verbringen, gemütlich in neue Welten abzutauchen. Kuscheldecke, Kerzenlicht und heiße Schokolade sind dabei Pflicht. Klingt nach einem Traum, oder? Die Traditio...