Wenn die Listen verschwinden – 2025, ein Jahr im gefühlten Chaos

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Ich war mal gut organisiert. Nicht perfekt, nicht pedantisch – aber strukturiert.

Jahresübersichten, Checklisten, kleine Kontrollpunkte. Dinge, an denen ich mich festhalten konnte, wenn das Jahr schneller wurde als gedacht. Dinge, die mir halfen, Entscheidungen nicht nur zu fühlen, sondern auch zu prüfen.

Und dann kam 2025. Und mit diesem Jahr: nichts davon. Die Listen, die ich anlegen wollte, blieben Ideen und Wünsche.

2025: Das Jahr ohne Netz und doppelten Boden
Ich weiß nicht einmal genau, wann es passiert ist.
Es gab keinen bewussten Entschluss à la „Dieses Jahr mache ich alles anders“. Die Listen sind einfach… nicht entstanden. Keine Jahresplanung. Keine monatlichen Übersichten. Kein klarer Rahmen.
Anfangs fühlte sich das sogar gut an. Frei. Ungebunden. Spontan.

Aber Freiheit ohne Orientierung ist irgendwann nur noch eines: anstrengend.

Je weiter das Jahr voranschritt, desto häufiger hatte ich dieses diffuse Gefühl, beschäftigt zu sein, ohne wirklich gezielt zu handeln. Entscheidungen wurden kurzfristiger. Rückblicke unschärfer. Fortschritt schwer greifbar. Ich war nicht untätig – aber ich hatte keine echte Übersicht mehr darüber, wofür ich eigentlich Energie aufwende. 

Warum mir die Listen mehr gefehlt haben, als ich dachte
Erst im Rückblick wurde mir klar: Die Listen waren nie Selbstzweck. Sie waren mein Eigenaudit.

Was habe ich mir vorgenommen?
Was habe ich tatsächlich umgesetzt?
Wo verliere ich Fokus – und warum?
Was läuft gut, auch wenn es sich nicht so anfühlt?

Ohne diese Orientierung bin ich immer öfter im Reaktionsmodus gelandet. Aufgaben statt Ziele. Dringlichkeit statt Wichtigkeit. Und ja – ein gutes Stück Chaos.
Nicht laut, nicht dramatisch. Sondern dieses leise, zähe Chaos, das sich einschleicht, wenn nichts mehr klar begrenzt ist.

Die Erkenntnis: Struktur ist kein Käfig, sondern ein Werkzeug
2025 hat mir ziemlich deutlich gezeigt: Ich funktioniere besser mit Struktur.
Nicht, weil ich Kontrolle brauche – sondern weil ich Reflexion brauche. Listen und Übersichten sind für mich kein Korsett, sondern ein Spiegel. Sie zeigen mir:

wo ich stehe,
was ich vermeide,
und wo ich mir selbst etwas vormache.

Ohne sie fehlt mir genau dieser ehrliche Abgleich. 

2026: Zurück zu Klarheit (nicht zu Perfektion)
Für 2026 habe ich mir deshalb etwas sehr Unaufgeregtes vorgenommen: Ich gehe zurück zu Listen. Zu Übersichten. Zu klaren Rahmen. Nicht, um mein Jahr vollzupacken. Sondern um sinnvoller zu agieren.

Ein paar feste Punkte:

Jahresziele, die überprüfbar sind
Regelmäßige kleine Eigenaudits statt großer Selbstabrechnungen
Übersichten, die helfen zu entscheiden, was ich lasse – nicht nur, was ich tue

Weniger Chaos durch mehr Bewusstsein. Nicht durch mehr Druck.

Vielleicht ist das auch dein Thema? Vielleicht liest du das und denkst:

„Ich wollte dieses Jahr eigentlich auch strukturierter sein.“ Oder: „Ich habe mich treiben lassen und weiß gar nicht genau, wohin.“ Dann ist das kein Scheitern. Vielleicht ist es einfach ein Hinweis darauf, dass dir ein Rahmen fehlt – kein höheres Tempo.

Für mich ist klar:
2026 wird kein perfektes Jahr. - Aber es wird wieder eines mit Übersicht.
Und manchmal reicht genau das, um wieder handlungsfähig zu werden.


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