Rezension: "The Buckingham Murders" - Dunkel, leise und emotional verstörend
Manchmal sind es genau diese Filme, die man sich selbst vermutlich nie aktiv ausgesucht hätte – und die einen dann umso nachhaltiger beschäftigen. "The Buckingham Murders" wurde mir von Netflix vorgeschlagen, ganz nüchtern, algorithmisch korrekt, basierend auf dem, was ich zuvor gesehen habe. Schon bevor der Film richtig beginnt, stolpere ich über eine Entscheidung, die mich sofort neugierig macht: Spracheinstellung „Hindi (Original)“. Und ich dachte nur: Wow. Okay. Das wird intensiv. Spoiler: Das war es. Und wie.
Im Mittelpunkt steht Jasmeet „Jass“ Bhamra, gespielt von Kareena Kapoor Khan, eine Ermittlerin, die nach einem persönlichen Trauma versucht, in der englischen Kleinstadt im Landkreis Buckinghamshire wieder Halt zu finden. Ein Mordfall an einem indischen Teenager zieht sie tief hinein in eine Community, die geprägt ist von kulturellen Spannungen, Schweigen, Schuld und unterdrückten Emotionen. Was mich sofort gepackt hat: Dieser Film will nicht gefallen. Er will verstanden werden. Und das macht ihn so fesselnd.
Das soziale Umfeld, das hier gezeigt wird, könnte meinem eigenen kaum fremder sein. Und vielleicht ist es genau das, was "The Buckingham Murders" so wirkungsvoll macht. Man blickt in Lebensrealitäten, familiäre Strukturen und emotionale Konflikte, die nicht erklärt, sondern einfach gezeigt werden. Der Film fordert Empathie. Kein simples Schwarz-Weiß, keine klaren Schuldzuweisungen. Stattdessen: Grauzonen. Verletzte Menschen. Entscheidungen, die aus Schmerz geboren werden.
Die Entscheidung, den Film nicht zu synchronisieren, sondern ihn streckenweise im Hindi-Original zu belassen, verlangt dem Publikum einiges ab. Mehr Konzentration. Mehr Aufmerksamkeit. Weniger Nebenbei-Konsum. Aber genau das gibt dem Film seine Authentizität. Die Sprache trägt Emotionen, Pausen, Zwischentöne, die in einer Synchronfassung verloren gegangen wären. Für mich war das kein Hindernis, sondern ein großer Gewinn. Man ist näher dran – an den Figuren, an ihrer Wut, ihrer Trauer, ihrem Schweigen.
Atmosphärisch ist der Film dunkel und bedrohlich, fast schon schwer. Die Kamera bleibt nah an den Figuren, zieht einen langsam, aber konsequent in ihre Psychen hinein. Es ist keine laute Spannung, sondern eine, die sich festsetzt, die drückt. Ja, ein paar Plot Twists sind vorhersehbar. Aber das ist hier nebensächlich. Denn die Geschichte ist mit so viel Liebe zum Detail erzählt, dass selbst offensichtliche Wendungen ihre Wirkung nicht verlieren. Es geht nicht darum, wer es war – sondern warum.
"The Buckingham Murders" ist kein Wohlfühlfilm. Er ist fordernd, emotional, stellenweise schmerzhaft – und genau deshalb so stark. Die Entscheidung für die Originalsprache, die düstere Atmosphäre und die intensive schauspielerische Leistung machen ihn zu einem Film, der nachhallt. Ein Krimi, der unter die Haut geht. Still, schwer und absolut sehenswert – besonders für alle, die bereit sind, sich auf fremde Perspektiven einzulassen.
Von mir gibt es 4,2 von 5 Punkten.
Bildrechte: Pen Studios


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