Rezension: "The Old Guard" – Unsterblichkeit mit Verantwortung und guten Kampfszenen


Manchmal stolpert man über einen Film, von dem man denkt, man wüsste schon ziemlich genau, was einen erwartet – und wird dann angenehm überrascht. "The Old Guard" war für mich genau so ein Fall. Eine Comicverfilmung, Action, Unsterblichkeit, Charlize Theron in der Hauptrolle – ja, das klang erstmal nach solider Unterhaltung. Bekommen habe ich aber deutlich mehr: einen Film, der bekannte Motive neu denkt und ihnen erstaunlich viel Tiefe verleiht.

Im Mittelpunkt steht Andy, gespielt von Charlize Theron, Anführerin einer kleinen Gruppe von Söldnern, die eines gemeinsam haben: Sie können nicht sterben. Seit Jahrhunderten kämpfen sie im Verborgenen, greifen in Konflikte ein, retten Leben – und tragen dabei die Last der Zeit mit sich.
Was mir an "The Old Guard" besonders gefallen hat: Unsterblichkeit wird hier nicht romantisiert. Sie ist kein Geschenk, sondern eine Bürde. Verlust, Einsamkeit und die Frage nach dem Sinn ziehen sich wie ein leiser, melancholischer Faden durch den Film. Kein Vampirismus, kein Fluch im klassischen Sinne – sondern eine beinahe nüchterne, menschliche Betrachtung eines übermenschlichen Zustands.

Ja, dieser Film kann Action. Und wie. Die Kampfszenen sind hart, direkt und hervorragend choreografiert, ohne dabei ins Übertriebene abzurutschen. Charlize Theron überzeugt nicht nur körperlich, sondern auch mit einer Präsenz, die jede Szene trägt. Andy ist keine makellose Heldin – sie ist müde, abgeklärt, manchmal fast gleichgültig. Und genau das macht sie so interessant.
Auch das restliche Team funktioniert hervorragend als Ensemble. Die Figuren sind klar gezeichnet, haben Ecken, Kanten und spürbare Geschichte. Und genau hier liegt für mich eines der größten Pluspunkte des Films: Man will mehr über sie erfahren. Ihre Vergangenheit wird angedeutet, nicht erklärt – und das macht neugierig.

Als Verfilmung einer Graphic Novel merkt man "The Old Guard" seine Herkunft an – im besten Sinne. Die Bildsprache ist klar, manchmal fast kühl, dann wieder überraschend emotional. Der Film nimmt sich Zeit für ruhige Momente, für Blicke, für Dialoge, die nicht alles aussprechen müssen.
Natürlich gibt es Stellen, die ein wenig vorhersehbar sind. Einige Wendungen sieht man kommen, vor allem, wenn man im Genre bewandert ist. Aber: Sie sind so sauber inszeniert und emotional eingebettet, dass sie trotzdem funktionieren. Für mich ein klassisches Beispiel von „Ja, kenne ich – aber ich schaue trotzdem gern zu“.

Was "The Old Guard" von vielen anderen Actionfilmen unterscheidet, ist sein moralischer Kern. Warum kämpfen diese Menschen seit Jahrhunderten weiter? Wann hört Verantwortung auf? Und was passiert, wenn man irgendwann nicht mehr weiß, ob das eigene Eingreifen überhaupt noch etwas verändert?

"The Old Guard" ist eine starke, stilvolle und emotionale Comicverfilmung, die Unsterblichkeit neu denkt – jenseits von Vampiren, Mythen und Glitzer. Mit Charlize Theron in einer absolut überzeugenden Hauptrolle, großartigen Kampfszenen und Charakteren, deren Geschichten man unbedingt weiterverfolgen möchte. Ja, nicht alles ist überraschend. Aber vieles ist ehrlich, gut gemacht und mit Herz erzählt. Ich freue mich definitiv auf eine Fortsetzung.

Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.

Bildrechte: Netflix, Inc.

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