Rezension: "The Old Guard 2" – Wenn Action lauter ist als Emotion


Ich habe mich wirklich sehr auf "The Old Guard 2" gefreut. So sehr, dass ich den Film direkt am nächsten Tag nach dem Rewatch des ersten Teils angeschaut habe – voller Hoffnung, wieder in diese Welt der Unsterblichen einzutauchen, die mich im ersten Film mit ihrer Melancholie, Tiefe und leisen Menschlichkeit so überzeugt hat. Und ja … ich bin ernüchtert zurückgeblieben.

Fangen wir mit dem Positiven an:
Die Darsteller sind durchweg gut. Allen voran Charlize Theron, die erneut eine Andy spielt, die müde, hart und innerlich zerrissen ist. Auch das Ensemble funktioniert weiterhin, man glaubt diesen Figuren ihre gemeinsame Geschichte, ihre Bindung und ihre Erschöpfung durch Jahrhunderte. Umso überraschender (und leider enttäuschender) war für mich ausgerechnet Uma Thurman als Antagonistin. Ihre Figur bleibt erschreckend blass. Trotz großer Name, trotz starker Präsenz – ihr Charakter bekommt weder Tiefe noch wirkliche Bedrohlichkeit. Die überdeutliche Kill-Bill-Hommage mit dem Schwert wirkt aufgesetzt, unnötig und reißt mich eher aus der Geschichte, als dass sie ihr dient. Statt Spannung entsteht Stillstand.

Was mich dagegen wirklich berührt hat, war der Redemption Arc von "Booker", gespielt von Matthias Schoenaerts. Er spielt diese Rolle mit einer stillen, schmerzhaften Intensität, die hängen bleibt. Man will, dass "Booker" Vergebung erfährt. Man versteht seine Schuld, aber auch seine Reue. Für mich ist er der emotionalste Charakter des Films – und gleichzeitig derjenige, der am meisten unter der Gewichtung der Geschichte leidet. Denn so gut dieser Arc auch ist: Er kann den Film nicht retten.

Mein größter Kritikpunkt an "The Old Guard 2":
Der Film entscheidet sich viel zu oft für hervorragend choreografierte Actionszenen, wo eigentlich Raum für Gespräche, Rückblicke und emotionale Entwicklung gewesen wäre. Und das schmerzt – gerade bei dieser Geschichte. Wir erfahren wieder zu wenig über die Hintergründe der Charaktere. Dabei liegt hier so viel Potenzial: Jahrhunderte voller Erinnerungen, Verluste, Entscheidungen. Stattdessen werden mögliche ruhige, intensive Szenen von Explosionen, Schwertern und Kampfsequenzen überrollt. Emotionale Momente blitzen kurz auf – und verschwinden sofort wieder zwischen schwingenden Klingen.

Das Ergebnis:
Der Film fühlt sich gehetzt an, obwohl er eigentlich innehalten müsste. "The Old Guard 2" ist kein schlechter Film, aber er ist ein enttäuschender Nachfolger. Die Story hätte mehr Finesse und Mut zur Stille gebraucht – weniger Spektakel, weniger Referenzen, weniger „größer, lauter, mehr“. Der erste Teil hat gezeigt, wie gut Action und existenzielle Fragen zusammen funktionieren können. Teil zwei verliert dieses Gleichgewicht. "The Old Guard 2" überzeugt schauspielerisch stellenweise, scheitert aber an seinem Fokus. Uma Thurmans Antagonistin bleibt farblos, die Action ist zu dominant, die emotionalen Chancen werden verschenkt. Nur "Booker" und sein Weg zur Vergebung geben dem Film echte Tiefe – leider zu selten. Ein Film, der hätte berühren können, sich aber zu oft selbst im Funkenflug der eigenen Schwerter verliert.

Von mir gibt es 3 von 5 Punkten.

Bildrechte: Netflix, Inc.

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